6. Juni 2017 Marianne Wurm

Linke stellen Antrag auf Erlass einer Katzenschutzverordnung für das Gebiet der Stadt Langen

Lösungsansatz gegen ansteigende Populationsdichte verwilderter Hauskatzen und unkontrollierte Vermehrung durch verantwortungslose Tierhalter

Die Fraktion der Linken beantragt die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen mit Freigang in Langen, der morgen, 8. Juni 2017, im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Langen vorgestellt wird.

In Zusammenarbeit mit Minka: Mission Katze und dem Tierschutzverein Langen-Egelsbach e.V. wurde dieser Antrag auf Erlass einer Katzenschutzverordnung erarbeitet. Beide Tierschutzorganisationen, befragte Tierärzte und die Jägerschaft befürworten und fordern diese Verordnung. Aufgrund der Problematik, dass in Deutschland inzwischen 2 bis 3 Millionen Streunerkatzen einen harten Kampf ums Überleben führen müssen, gibt es sie seit einigen Jahren mittlerweile bundesweit in über 530 Kommunen. Ein positives Ergebnis ist längst nachgewiesen. In jüngster Vergangenheit haben sich in Südhessen die Kommunen Darmstadt, Dieburg, Viernheim, Lorsch und erst kürzlich MörfeldenWalldorf mit einem entsprechenden Erlass angeschlossen. Es ist davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit weitere Gemeinden eine solche Verordnung festlegen werden und somit eine flächendeckende Wirkung erzielt wird.

Hintergrund dieses Antrages für eine Katzenschutzverordnung ist die Tatsache, dass der Zuwachs verwilderter, herrenloser Hauskatzen in der Langener Gemarkung trotz der Maßnahmen zum Schutz frei lebender Katzen, insbesondere das Einfangen, die Kastration und die Versorgung erkrankter Tiere durch die Tierschutzorganisationen, weiterhin ansteigt.

Katzen sind bereits im Alter von 5 bis 6 Monaten geschlechtsreif und können 3 Mal im Jahr Nachwuchs bekommen, wobei pro Wurf mit bis zu 7 Welpen gerechnet werden muss. Da die frei lebende Katzenpopulation auf sich alleine gestellt und keine Gesundheitsvorsorge in Form von beispielsweise Impfungen und Kontrollen auf Parasiten gegeben ist, verbreiten sich Infektionskrankheiten wie Katzenschnupfen, Katzenseuche, „Leukose“ oder „Katzen-Aids“ sehr schnell unter den Tieren. Zahlreiche Katzen verenden bereits als Jungtiere qualvoll, da sie entweder von Geburt an durch Elterntiere oder von anderen bereits erkrankten Streunerkatzen infiziert werden.

Anders als bei Wildtieren regelt sich die Populationsdichte bei frei lebenden Katzen nicht auf natürliche Weise. Unkastrierte, in menschlicher Obhut gehaltene Katzen nehmen beim Freigang mit herrenlosen und verwilderten Hauskatzen unweigerlich Kontakt auf, so dass diese kontinuierlich zur Vermehrung beitragen.

Marianne Wurm, Fraktionsmitglied bei den Linken und Tina Sewing von der NGO Minka und Vertreterin des Tierschutzvereins Langen Egelsbach e.V., sehen bei der Vielzahl von in Langen frei lebenden und oftmals auch kranker Katzen die dringende Notwendigkeit für die Verordnung, um weiteres Katzenleid einzudämmen und letztendlich zu verhindern. Es sind keineswegs herrenlose Tiere oder sogar Wildtiere, sondern ausgesetzte oder fortgelaufene Katzen und deren Nachkommen. Die Gesetzgebung sagt eindeutig, dass kein Heimtier unversorgt auf der Straße bleibt, denn entgegen der Wildtierart Katze (Felis sylvestris) kann die Hauskatze, ob nun verwildert oder zahm, nicht ohne die Fürsorge von Menschen artgerecht leben. Die Heimtierart Katze ist vom Menschen gezüchtet worden und in unserer Klimazone nicht beheimatet.

Die in Langen lebenden scheuen Tiere halten sich tagsüber sehr gut versteckt vor allem in den Außenbereichen in Gartenanlagen, im Industriegebiet, am Friedhof, Krankenhaus, im Nordend und im Belzborn auf. Eine wesentliche Maßnahme ist somit die Unterbrechung der Populationskette. Im Sinne des Tier- und Artenschutzes ist deshalb ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot angebracht. Mit einer verbindlichen Regelung verhindert die Kastration die Fortpflanzung und wirkt damit der Überpopulation entgegen.

Trotz Aufklärungskampagnen durch den Tierschutz sind nicht alle Halter von Hauskatzen in der Lage, ihre Tiere verantwortungsbewusst und artgerecht zu halten. Sämtliche Appelle der Politik haben bedauerlicherweise nicht gefruchtet. Noch immer hält sich der Mythos, dass eine Katze einmal im Leben Junge haben sollte, zudem „kleine Kätzchen ja so süß sind“. Deutschland ist jedoch „katzensatt“. Die Tierheime sind überfüllt und die Tierschützer bangen jedes Jahr erneut vor der befürchteten „Kittenschwemme“. Hinzu kommt, dass die so genannten „Vermehrer“ die Tiere zunächst versuchen, gewinnbringend in Kleinanzeigenportalen im Internet zu verkaufen. Gelingt dies nicht, werden die Kitten bestenfalls im Tierheim abgegeben oder einfach ausgesetzt. Nicht selten jedoch landen Babykatzen als Spielzeug in Kinderzimmern, um später bei nachlassendem Interesse die erwachsenen Tiere auf der Straße sich selbst zu überlassen. Auch die herkömmliche Methode, unerwünschten Nachwuchs zu erschlagen oder zu ertränken, wird nach wie vor noch häufig praktiziert.

Leid und Elend der Katzen müssen ein Ende haben. Wer seine Katze ins Freie lässt, soll verpflichtet werden, diese bei einem Tierarzt kastrieren zu lassen und mit einer Kennzeichnung, Tätowierung oder Chip zu versehen. Die Kennzeichnung und kostenfreie Registrierung in einem Haustierregister dienen der Identifizierung der Katze, verirrte, entlaufene oder gefundene Katzen können so schnell und einfach wieder nach Hause finden. Dauerhaft führt dies nicht nur zu einer Entlastung der

Steuerzahler und Tierschutzorganisationen, sondern auch des Tierheims Dreieich, das bereits in den vergangenen Jahren mehrfach an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. Der Nachweis über die Kastration und die Registrierung ist dem Ordnungsamt auf Verlangen vorzulegen. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, muss mit einer Geldbuße rechnen. Rechtsgrundlage ist die Delegationsverordnung des Landes Hessen vom April 2015 in Verbindung mit den entsprechenden Bestimmungen des Tierschutzgesetzes nach § 13 b. 

Kontakt

Marianne Wurm

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende DIE LINKE Langen

Telefon 0157 85301666

E-Mail mw.dielinke@live.de

 

Tina Sewing

MINKA und Tierschutzverein Langen-Egelsbach e.V.

Telefon 06103 79941 · 0151 23637236

E-Mail tinasewing.minka@arcor.de · info@tierschutz-langen.de