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Jürgen Klei

Bundesweit verlässliche Kita-Versorgung für alle Kinder!

Die Fehlentwicklungen im Bereich der Kinderbetreuung waren seit Jahren vorhersehbar. Die politisch Verantwortlichen entschuldigen jetzt ihr Versagen mit dem Hinweis auf die gestiegenen Geburtenzahlen und vor allem auf die Zuwanderung  aus dem Ausland. Allerdings: Es war doch schon seit Jahren absehbar, dass sich aufgrund der verlängerten Bildungszeiten junger Erwachsener die Zahl der Geburten im Zeitablauf verschieben wird. Schon vor Jahren war erkennbar, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen steigt. Und auch die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die Zunahme von Schichtarbeit, der gestiegene Zwang, Überstunden leisten zu müssen oder einem gar einem Zweit-Job nachgehen zu müssen, haben zu einer höheren Nachfrage  nach öffentlichen Betreuungsangeboten und nach flexibleren Betreuungszeiten beigetragen.

In Hessen  hatten im März 2017 laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt  9,3 Kinder in Kindertageseinrichtungen einen Betreuer (2012: 9,6), im Vergleich dazu Baden-Württemberg:6,9 in 2017 (2012: 8,3). Ebenso zeigen Untersuchungen bundesweit krasse Unterschiede hinsichtlich der Professionalität des eingesetzten Personals.

Es kann nicht sein, dass die Bildungschancen von Kindern erheblich von ihrem Wohnort – genauer: von der Finanzkraft der einzelnen Gemeinden und Kreise - abhängen. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland. Die Finanzierung der Kinderbetreuung muss vollständig zur Landesaufgabe werden!

Zur Gewährleistung eines kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnisses empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, dass in einer reinen Krippengruppe drei Kinder im Alter von null bis unter drei Jahren von einer Fachkraft betreut werden sollen, also ein Verhältnis von 1:3. Die Empfehlung für die klassische Kindergartengruppe, also in einer Gruppe in der ab dreijährige Kinder bis zum Schuleintritt betreut werden, liegt bei 1:7,5.

Es bleibt wohl ein Geheimnis der von CDU/CSU und SPD geführten Sozialministerien, wie die wenigen Betreuer in großen Gruppen kindlichen Bedürfnissen nach Bindung, Ruhe, Geborgenheit und individueller Förderung überhaupt gerecht werden können. Die soziale Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Schichten beginnt bereits hier. Wenn der Protest der Eltern in den Kommunen lauter wird, dann ist das angesichts dieses sozial- und bildungspolitischen Skandals nur verständlich. Schade nur, dass Kommunalpolitiker sich gerne die Prügel einholen, die eigentlich den verantwortlichen Landes- und Bundespolitikern ihrer Parteien gebührt.